DIE WELT DER HÖLZER UND IHRE SCHWINGUNG

GASTARTIKEL VON STEFFEN BRÜNNER

Vor einigen Tagen durfte ich den sehr talentierten Steffen Brünner im wunder-schönen Brandenburg bei Bad Belzig besuchen. In den Landschaftswiesen des hügeligen Flämings hat Steffen seine Werkstatt errichtet. Ein zarter Hauch der Wiesenblumen und der Duft von frisch verarbeitetem Holz liegen in der Luft.

Steffen hat mich ein Stück weit in die Welt der Hölzer eingeführt und ich bin immer noch begeistert, mit welch einer Leidenschaft er seiner Arbeit nachgeht.


Ich durfte lernen, dass wir in dem Moment, in dem wir uns zum Beispiel für ein Möbelstück, sei es ein Bett in Eiche, entscheiden, auch die Schwingung, sprich die Eigenschaften des Eichenbaums,

in uns aufnehmen. Deshalb sollte gut überlegt sein, ob wir mit der Kraft einer Eiche überhaupt umgehen können, wenn diese Wesensart für uns neu ist oder uns doch für die sanfte, ruhe-fördernde Zirbe entscheiden.


Das richtige Holz auswählen

Immer mehr Menschen besinnen sich auf nachhaltige, ökologische und gesunde Möbel und Einrichtungen. Das Bewusstsein über das eigene Tun, das Konsumverhalten, die Suche nach Alternativen in jeder Faser des Lebens nimmt zu. Zum Glück. Aber welches Holz hat welche Wirkung? Die meisten Menschen sind sich nicht bewusst darüber.

Eiche liegt voll im Trend. Die Holzindustrie hat es geschafft aus dem spießigen „Eiche rustikal“

den nachgefragtesten Möbelstoff zu machen. Worterfindungen wie „Wildeiche“ und breite Marketingkampagnen haben die astige und rissige Eiche, einst billig und geschmäht, salonfähig gemacht.


Aber was gibt für Alternativen? Hier eine kleine, unvollständige Übersicht.


Tropenholz, mit und ohne FSC-Siegel sollte unbedingt generell vermieden werden. Es gibt einen globalen Betrug, eine global agierende Holzmafia, die die weltweiten Geschäfte um Abholzung und das in den Verkehr bringen, kontrolliert.

Die europäischen Wälder bieten für jede Anwendung und für jeden Geschmack eine wunderbare Vielfalt. Viele Bäume ähneln in ihren Eigenschaften als Möbelholz ihrem Wesen und Wirken in der Natur. Eine Birke ist hell, leicht, tänzerisch und positiv, eine Eiche beständig und stark mit sehr präsentem Wesen und Aussehen.


Fangen wir an, uns eine kleine Übersicht zu erarbeiten!


Stieleiche: beständig, stark, eigenwillig, schwer, hart. Große Teile des Eichenstammes sind für die Möbelherstellung ungeeignet: der Splint ist zu weich, der Kern muss zu großen Teilen entfernt werden. Der Verschnitt bei Eiche liegt, je nach Anwendung, bei bis zu 400%. Eiche bietet einen meist farblich homogenen Eindruck, die Oberfläche ist hart und nahezu unverwüstlich. Gebrauchsspuren steckt die Eiche gut weg und wird oft erst dadurch lebendig. In der Wohnatmosphäre und Einrichtungskultur ist Eiche ein präsentes, durchaus dominantes Holz. Dosiert kann es Ruhe und Kraft vermitteln, aber es kann auch bedrängen, beschweren und die Umgebung in den Schatten stellen. Also: nicht alles mit Eiche ausstatten, auch wenn dieses Holz derzeit überpräsentiert wird.


Esche: hart, mit hellem Splint und olivfarbener Kernmaserung, beständig, ruhig in der Bewegung und formstabil, neigt wenig zum Verwerfen und kann daher auch in großen Abmessungen verwendet werden. (insbesondere die Bohlenbreite) Die Maserung der Esche ist lebendig und gleichzeitig harmonisch. Bei geschickter Verarbeitung lassen sich wahre Gemälde erzeugen. Esche ist immer ein freundliches Holz, das zur Neutralität im Wohnensemble tendiert. Alle Teile des Stammes können genutzt werden, daher gibt es verhältnismäßig wenig Verschnitt. Esche ist der heiligste Baum in der germanischen Mythologie, in ihr treffen sich Erde, Himmel und Universum. Es ist preiswerter als Eiche und viele andere Harthölzer und hat alle Qualitäten für ein ewiges Möbel.


Bergahorn: elfenbeinweiß, wunderschön, teilweise mit sehr lebendigen, nahezu überwältigenden Partituren. In der Oberfläche finden sich holografische Ebenen und bieten einen Blick in die Tiefe. Bergahorn ist hart, schwer und optisch ganz leicht. Antiseptisch, sehr dichte, kleine Zellen, engwüchsig, sehr geeignet für Küchenplatten, Esstische, Restaurants, Fußböden, helle, lichte Möbel. Die beste Qualität kommt aus Bergregionen der Alpen. Bergahorn liegt preislich in der oberen Mittelklasse. Ein Ahornmöbel ist immer auch Kunst, Ausdruck des Lebendigen, des Einmaligen. Ein Ahornmöbel schmeißt man nie weg, es begleitet durch das ganze Leben.


Birke: Birkenholz ist weicher und leichter als die übrigen Harthölzer. Sie ist verspielt, hell, cremig. Sie wirkt belebend, macht froh und leicht. Die Gesamteinrichtung, der atmosphärische Eindruck des Raumes wird nicht beschwert und bedrängt, sondern mit Harmonie und Leichtigkeit ergänzt . Die vollendete Oberfläche erinnert mich oft an ein in Wellen gelegtes Seidentuch. Wunderschön, mit tollem Einblick in die Tiefe, manchmal wirkt es wie bewegtes Wasser, transluzent und holografisch. Birkenholz ist ein wunderbares Möbelholz. Als Arbeitsplatte verwendet muss man mit der geringeren Härte der Oberfläche leben können. Birkenholz gehört zu den etwas preiswerteren Hölzern, hat aber, vor allem optisch, einmalige Vorzüge.


Kirsche: Wer Frohsinn und Leichtigkeit braucht, sollte über einen Familientisch aus Kirsche nachdenken. In Japan steht sie im Mittelpunkt der kulturellen Wahrnehmung. Sie gilt als rein, einfach und gleichzeitig prächtig. Die Kirschblütenzeit ist in Japan ein wichtiges traditionelles Ereignis, über welches die Medien berichten.

Kirschholz ist hart und schwer. Ihre Farben reichen von Gold bis Kupfer und vermischen sich innerhalb eines Baumes in alle Nuancen dieser Töne. Kirschholz kann für alle Möbel verwendet werden, passt am besten in sehr helle, lichte, weiße Räume.


Ulme: Hart und beständig, durchgängig honig- und goldfarben, mal heller, mal dunkler und weich in der Optik. Ihre Maserung erinnert oft an Tropenholz, gerade wegen ihrer einmaligen Fiederung, welche so kein anderes heimisches Holz hat.

Ulmenholz ist hart und ein hervorragendes Möbelholz. Es vermittelt Ruhe, Frieden und Gelassenheit. Preislich liegt Ulmenholz in der oberen Mittelklasse. Ulmenholz neigt zum Reißen, daher kann man dieses kostbare Holz nur von verantwortungsvollen Sägewerken und Händlern beziehen und muss es sehr sorgsam verarbeiten. Früher wurden Ulmen bevorzugt in Dorfalleen zur Brandabwehr gepflanzt, ihr Laub diente als Viehfutter im Winter. Ulmen erkennt man an den asymmetrisch aufgebauten Blattformen. Der Buche ähnlich, aber eben asymmetrisch. Die Bestände der Feldulme sind stark vom Ulemsplintkäfer bedroht, dessen Larven die Bäume langsam verdursten lassen. Wer etwas Gutes tun will, pflanzt Flatterulmen. Diese sind resistent gegen diesen Schädling.


Europäische Walnuss: Hart, schokoladig dunkel, mit hellem Kontrastsplint. Sehr homogen, edel, dennoch lebendig. Aus Walnussholz lassen sich sehr edle Einzelstücke bauen, die in hellen Räumen für Kontrast und ruhige Fixpunkte sorgen. Früher war es Pflicht eines jeden Gartenbesitzers einen Nussbaum zu pflanzen. Das hatte zwei Gründe: Zum Einen bietet ein einigermaßen ausgewachsener Baum so viele Kalorien in Form von Nüssen, dass eine mehrköpfige Familie damit seinen winterlichen Energiebedarf decken konnte. Der Baum war also eine Überlebensvorsorge für schlechte Zeiten. Zum Anderen wurden aus dem harten, edlen Holz Gewehrkolben hergestellt. Naja, das war sicher nicht so toll und nicht im Sinne diesen edlen, nützlichen und schönen Baumes.

Europäischen Nussholz gehört zu den teuersten Hölzern. Klar, die Bestände in Deutschland sind sehr überschaubar. Nur im Ausland, zum Beispiel in Frankreich oder auf dem Balkan, gibt es sie etwas häufiger. Ich hatte das große Glück einige Male an gefällte, alte Gartenbäume zu kommen. Ich ließ sie aufschneiden und baute daraus sehr schöne Möbel.

Als Alternative gibt es im Handel etwas preiswerter amerikanisches Nussholz. Dieses hat sehr ähnliche Eigenschaften, ist aber dunkler und etwas langweiliger. (Dunkler, weil es gedämpft in den Handel kommt.)


Elsbeere: Ein fast schon vergessenes Möbelholz. Leider wird es kaum in die Wälder eingepflanzt, obwohl es traditionell hier gedeiht. Gerade als Klimabaum wäre die Elsbeere sehr wertvoll, weil sie auch mit Trockenheit gut zurecht kommt und lange Sommer gut übersteht. Die größte Verbreitung hat die Elsbeere im Mittelmeerraum und Südeuropa, aber man findet sie auch in Dänemark.


Das Holz der Elsbeere ist einmalig! Es ist an Härte kaum zu übertreffen, die Farbe geht von altrosa bis zu rötlichbraun, es wirkt sehr edel, sehr feinporig, liegt samtig an der Hand. Im Alter dunkelt sie etwas rötlich nach, bewahrt aber ihre farbliche Harmonie. Die Maserung ist zurückhaltend, zwischen Kern und Splint weist das Holz eine große Homogenität auf. Aus dem Holz der Elsbeere lassen sich alle Möbel und auch Instrumente herstellen, aber langsame, sorgfältige Trocknung und eine langsame Verarbeitung sind wichtig, da das Holz sonst reißt und sich windet.

Elsbeere ist im ausgewählten Handel erhältlich, aber gehört zu den teuren Hölzern.

Ein Möbel aus Elsbeere ist ein Möbel für immer.


Kiefer: Die Kiefer hat den Ruf von Billigkeit. Das ist passiert, weil minderwertige Kiefer von Ikea u.A. seit vielen Jahren zu Billigmöbel verarbeitet wird. Durch die lackierte Astigkeit und industrielle Verarbeitung bleibt nicht viel übrig von der stolzen, sich im Sturm biegenden Königin der Sandböden.

Aber: gutes Kiefernholz aus sandigen Böden wächst langsam und hat feinste, eng stehende Jahresringe. Solches Holz, dazu noch astarm oder astfrei, ist ein schönes, leichtes Holz für feine, schlanke Möbel. Sie strahlen Wärme und Ruhe aus und erinnern in nichts an ihre armen Vettern im Möbelhaus. Man kann die Oberfläche durch ein Weissöl veredeln oder mit einem seidigen Wachs behandeln. Kiefer ist recht preiswert und lokal fast immer zu haben.


Fichte/Tanne: Für die Fichte und Tanne gilt ähnliches, wie für die Kiefer. Jedoch ist Fichte und Tanne noch heller, in der Regel harzärmer und noch homogener in der Maserung. Ein freundliches Holz, gut zu verarbeiten, langfaserig, zäh und biegsam.


Zirbe: Was für ein Holz! Langsam wächst die Zirbe in den Alpen auf felsigem Grund. Sie braucht viele Jahrzehnte um zu einem Baum zu gedeihen, zu widrig sind die Umstände, zu hart und lang die Winter, zu mager die Böden. Aber in all den Jahren der Beständigkeit reichert die Zirbe in ihren Zellen eine hohe Konzentration von ätherischen Ölen an. Und genau das macht sie so wertvoll und einmalig. In Studien wurde nachgewiesen, dass der Mensch besser, tiefer und mit verlangsamten Herzschlag schläft, wenn sein Schlafzimmermobilar aus Zirbenholz besteht. Dazu braucht es freilich etwas mehr als ein Nachtschränkchen, aber der Effekt ist klar und wissenschaftlich belegt: Zirbenholz erhält gesund. Optisch erinnert die Zirbe an das Holz der Pinie. Heller Honig und tiefbraune, nicht zu viele Äste. Zirbenholz wird nicht behandelt, damit die Atmungsfähigkeit des Holzes nicht eingeschränkt wird. Aus Zirbenholz lassen sich alle Möbel bauen, aber mit Rücksicht auf ihr langsames Wachstum und begrenzten Beständen sollte dieses Holz dem Schlafzimmer vorbehalten bleiben.


Diese Übersicht ist unvollständig und so manches Holz fehlt. Ich werde die Informationen Schritt für Schritt ergänzen. In meiner Werkstatt verarbeite ich alle o.g. Holzarten. Dabei ist mir wichtig, sorgsam und achtsam in die Transformation vom Baum zum Möbel zu gehen. Ein Meister sagte vor einigen Jahren zu mir, dass wir erfolgreich sind, wenn wir in den Ergebnissen unserer Arbeit, alle Sommer, alle Winter, das Leben des Baumes zum Ausdruck bringen. Damals wusste ich noch nicht genau, was das in der Realität zu bedeuten hat. Heute weiß ich es und sehe das Leuchten im Holz nach getaner Arbeit.

Übrigens: Langsam zu arbeiten, heißt nicht, mehr Zeit zu brauchen. Langsamkeit ist schneller als Eile und es trägt dem Stoff Holz Rechnung und zollt den nötigen Respekt.